13. Türchen – Die Entführung

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Die Entführung

„Lieber guter Weihnachtsmann
Schau mich nicht so ängstlich an!
Der Knebel um deinen Mund,
Der hat durchaus seinen Grund.

Hättest du dich nicht so panisch gewunden,
Hätte ich dich nicht fest an den Stuhl gebunden.
Striemen an Händen und Füßen,
Werden dich dafür grüßen.

In einer Reihe liegen die Klingen,
Die ihr helles Liedchen singen.
Sie warteten nur auf dich allein,
Um am heutigen Tag deine Begleiter zu sein.“

Aneinander reiben silberne Messerklingen,
Des Todes Melodie sie singen.
Schweiß auf der Stirn, die Augen gehen mit,
Verfolgen jeden Peinigerschritt.

Angst erfüllt sein Herz!
Panik vor dem Schmerz!
Schon wird der Knebel abgenommen,
Er hört schon die Engelein singen, die Frommen.

Ein Wichtel hat die Spur gefunden,
Nach der sie suchten seit etlichen Stunden.
Sie folgten ihm alle, den zu befreien,
Den man entführte aus ihren Reihen.

 

Der Weihnachtsmann wurde entführt!
Nichts hat sich seitdem gerührt!
Kein Lösegeld gefordert,
Oder Geschenke für die Befreiung geordert!

Alle bangen sie um den EINEN Mann,
Ob man ihn noch retten kann?

Zu einem Haus auf einem Hühnerbein führte die Spur,
Wessen Hause war das nur?
Der Wichtel Gernot öffnete mit Nadel die Tür,
Einst saß er mal im Gefängnis dafür.

Knarrend öffnete schwang auf, Tür zum Haus,
Schreie drangen von dort heraus.

„Nein! Bitte nicht! Ich kann nicht mehr!
Mach dem ein Ende! Ich wünsch’s mir so sehr!“
Die Wichtel sahen sich panisch an,
Was geschah mit dem Weihnachtsmann?
Aus einem Raum drang Licht heraus,
In den dunklen Flur hinaus.

Vorsichtig sahen die Wichtel hinein,
Was musste das für ein Anblick sein?
Der erste Wichtel blieb in der Tür stehen,
Kreidebleich, was hatte er gesehen?

Des Weihnachtsmanns Frau, drängelt sich durch,
Auf dem Gesicht Panik und Furcht!
Was hatte man ihm angetan?
Was war es, was die Wichtel hier sahen?

 

Auf einen Stuhl gebunden,
Seit etlichen Stunden,
Sieht man ihn sitzend,
Bleich und schwitzend.

Baba Jaga, die Hexe steht vor ihrem Mann,
Den Mann nur bedauern kann,
Beugt sich nach vorn und schaut gespannt,
Mit dem Löffel in der Hand.

Dass er brav den Pudding schluckt,
Prüfend ins Gesicht sie guckt.

Was seine Frau entsetzt gewahrt?
Rundherum sind aufgebahrt,
Truthahnbraten mit Weintrauben,
Die keinen Genuss erlauben,
Wie die Trüffelpastete daneben,
Die es wohl noch sollte geben.

Wildschweinragout und Rehrücken,
Lassen das Schleckermaul entzücken.
Pralinen, Sahnetorten, Buttercreme,
Muss sie voll entsetzen sehen!

Lebkuchen und Gebäck,
Nur Reste, sind bereits alle weg!

Die Messer tranchieren und filetieren,
Das Fleisch wie im Zauber portionieren.

Die Hände in die Hüften gestemmt, fragt die Frau die Hex:
„Kannst du mir verraten, was du bezweckst?“

Baba Jaga richtet sich auf: „Schau ihn dir doch an!
Deinen ausgehungerten Mann!
Der Weihnachtsmann auf Diät?
Dann ist bald alles zu spät!

Bei mir bekommt er ordentliche Speisen,
Bevor er sich macht auf die Reisen!
Am heiligen Abend, zur heiligen Nacht,
Muss er althergebracht
Gut beleibt durch den Kamin,
Steigen und auch wieder fliehen!“

Befreit wurde der Weihnachtsmann,
Der, fast nur noch rollen kann!
Ein Likörchen, wer hätte es gedacht,
Hat die Verdauung leichter macht!

Was ist das nach der Heiligen Nacht bloß?
Des Weihnachtsmann Fastenzeit geht wieder los!

Originally posted 2017-12-13 18:48:00.

Über Claudia Wendt 63 Artikel
Claudia Wendt schreibt seit mehreren Jahren Gedichte und Geschichten. Seit 2017 arbeitet sie als freie Texterin.

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